Freibad – Grundschulen verzichten wegen der niedrigen Temperauren auf Schwimmunterricht (Echo vom 03.05.2013) Bild Ralph Keim

Ralph Keim freibadDass der Achterbahn-Frühling mit seiner regnerisch-kühlen Witterung schon so manche Freiluftveranstaltung gesprengt hat, kann man mit Sicherheit verschmerzen. Wenn jedoch bei gerade einmal zwölf Grad Außentemperatur Kinder im Freibad schwimmen sollen, hört der Spaß auf. „Das ist nicht zumutbar. Da kann ich die Sorgen der Eltern voll und ganz verstehen.“ Ilona Boch, Konrektorin der Georg-Büchner-Schule, ist nicht die Einzige, die verärgert ist.

Eine ECHO-Umfrage bei den Rüsselsheimer Grundschulen hat ergeben, dass die Schließung des Hallenbads die Schulen vor ernsthafte Probleme stellt. Daran ändert auch nichts die von der Stadt in die Wege geleitete Verlagerung des Schulschwimmens ins Freibad.

Fakt ist jetzt schon: Der Schwimmunterricht wird oft ausfallen. Am gestrigen ersten Freibadtag war dies bereits der Fall. Für Schwimmunterricht im Freien war es schlichtweg zu kalt. Auch für den Rest des Tages drehten die Damen im Kassenhäuschen meist Däumchen.

„Das Wasser soll zwar 24 Grad haben. Gefühlt sind es jedoch noch nicht einmal 20 Grad. Auch die Duschen sind eiskalt.“ Ilona Boch kann und will es ihren Schülern zurzeit nicht zumuten, donnerstags morgens ins Freibad zu gehen. „Das funktioniert bestenfalls im Hochsommer, wenn es schon morgens richtig warm ist.“ In den Grundschulen wird daher spontan entschieden, ob der Schwimmunterricht stattfindet oder nicht. Das wird auch im Hochsommer so sein, wenn sich beispielsweise morgens unangemeldet ein Gewitter zusammenbraut. Deshalb sollten Sportlehrer und Schüler neben den Schwimmsachen auch die Sportbekleidung einpacken.

Selbstverständlich gibt es Alternativen. „Wenn das Wetter für das Freibad zu schlecht ist, gehen die Schüler wenigstens raus, um sich zu bewegen“, erläutert Friederike Rott, Leiterin der Schiller-Grundschule. Da nämlich die Schwimmzeiten schon lange feststehen, sind die Sporthallen entsprechend belegt. Die Folge ist, dass die Sportlehrer zusehen müssen, wie und wo sie die Alternative zum Schwimmunterricht gestalten. Wenn es möglich ist, quetschen sich eben mehrere Klassen in eine Sporthalle.

Die Grundschulleiterinnen machen darauf aufmerksam, dass es nicht nur um die organisatorischen Probleme geht. Oftmals sei das Schulschwimmen für die Kinder die einzige Möglichkeit, einmal in einem Schwimmbecken ihre Runden zu drehen. Mädchen aus islamischen Migrantenfamilien werde es von den Eltern oftmals sogar verboten, schwimmen zu gehen. Für nicht wenige Kinder sei der Unterricht in der Grundschule die einzige Möglichkeit, schwimmen zu lernen. Die Schulleiterinnen fordern daher unmissverständlich von der Stadt, für Schwimmmöglichkeiten in einer Halle zu sorgen und sich schnellstmöglich um eine Reparatur des Schadens im Hallenbad zu kümmern.

Marc Rhein, Leiter des Max-Planck-Gymnasiums, sieht das Ganze etwas positiver: „Besser im Freien schwimmen als gar nicht schwimmen“, bewertet er die Situation. Er räumt allerdings ein, dass es für Oberstufenschüler im Teenageralter wesentlich einfacher ist, nachmittags schwimmen zu gehen und gleich danach schulfrei zu haben. Dass die Grundschulen vormittags Priorität bei der Belegung des Hallenbads hatten, erweise sich jetzt als Bumerang. „Man muss aber auch sehen, dass es viele Schulen in Deutschland gibt, die froh wären, wenn sie wenigstens ein Freibad hätten.“ Dem Planck-Gymnasium steht das Bad lediglich mittwochs in der 9. und 10. Stunde zur Verfügung. „Das ist ziemlich wenig, und wir überlegen ernsthaft, das Schwimmangebot zu streichen.“

Auf ECHO-Nachfrage erklärt das Presseamt der Stadt, dass die Nutzung des Freibades „ein Angebot an die Schulen“ sei. Die Verantwortlichen hätten „Verständnis dafür, dass die Lufttemperaturen für den morgendlichen Schwimmunterricht frisch“ seien, man könne allerdings „in der jetzigen Situation keine andere Alternative anbieten“.

 

TG 1862 Rüsselsheim (Schwimmabteilung)