Lachebadschliessung – Drittklässler an Rüsselsheimer Schulen haben derzeit keine Gelegenheit, das Schwimmen richtig zu erlernen (Echo vom 10.04.2013)

 

„Sehr schwierig“, „dramatisch“, „es gräbt ein Loch“, „ein Donnerschlag“ – die Schließung des Lachebads wegen technischer Mängel stellt insbesondere die Grundschulen der Stadt vor Probleme. Nicht weniger als der Erwerb einer überlebensnotwendigen Fähigkeit ist für die aktuellen dritten Jahrgangsstufen schwierig geworden. Denn, wie Marion Kurtz, Leiterin der Grundschule Hasengrund einvernehmlich mit den anderen vom ECHO zu den Folgen zur Badschließung befragten Kollegen erklärte, könnten bis zu Zweidrittel aller Drittklässler nicht schwimmen. Bei vielen müsse zunächst sogar noch die Angst vor der großen Wasserfläche genommen werden, ergänzt Beate Thierolf-Seida, Leiterin der Lernhilfeschule Borngrabenschule.

In den dritten Klassen ist Schwimmunterricht Pflicht. Der kann der Großteil der Rüsselsheimer Schulen nun nicht mehr nachkommen. Selbst den Sportunterricht aufs Trockene zu verlegen, gestaltet sich für einige Schulen schwierig. So wird an der Grundschule Hasengrund für „Bewegungsspiele“ auf den Schulhof ausgewichen, weil die eigene Sporthalle mit der Friedrich-Ebert-Schule geteilt wird, und die Stundenpläne zu Zeiten eines offenen Lachebads erstellt worden waren. Diese jetzt zu ändern, sei unmöglich. Unabhängig davon: „Die Kinder sollten Schwimmen haben“, sagt Marion Kurtz, zu wichtig sei der Erwerb der Überlebenskompetenz und zu groß sind die Erfolge der schwimmpädagogisch ausgebildeten Grundschulsportlehrer: Am Ende der dritten Klassen könnten die meisten Kinder schwimmen, alle sich zumindest über Wasser halten, sagt die Rektorin. Klassenziel sei der Erwerb des ersten Schwimmabzeichens. Dass die Stadt auf die Eröffnung des Freibads im Mai verweise, sei keine wirkliche Alternative, sagt Kurtz. Zur frühen Uhrzeit des Schwimmunterrichts sei es oft noch zu kühl im Freien.
BegehrtesLehrschwimmbecken

Dagmar Schneberger-Splitt, Leiterin der Georg-Büchner-Schule, der mit fünf Klassenzügen größten Grundschule der Stadt, pflichtet bei: Schon bisher habe es einen „Kampf um das kleine Lehrschwimmbecken“ im Lachebad gegeben, weil es wegen seiner geringen Größe und der geringen Wassertiefe – anders als das große, tiefe Freibecken – ideal für Nichtschwimmer sei.

Auch an der Büchnerschule ist Ausweichsport schwierig. Da die eigene kleine Halle und die der Humboldtschule zu den fraglichen Zeiten teilweise belegt sind, weichen die verhinderten Schwimmer, wenn es das Wetter zulässt, auf das offene Fußballfeld der Humboldtschule aus.

Gelassenheit und Zuversicht, dass die „städtische Seite sich Gedanken machen wird“, dagegen bei Renate Meixner-Römer, Leiterin der Albrecht-Dürer-Schule, an der zwei Sporthallen zumindest einen reibungslosen Ausweichunterricht ermöglichen („Zwei Hallen, das passt“).

Die Grundschule Innenstadt ist nur teilweise von der Schließung betroffen, da mit einer von zwei Schwimmzeiten bisher schon fest im Bad der Helen-Keller-Schule vertreten. Für die Zweite konnte man vor den Osterferien ebenfalls kurzfristig nach Königstädten ausweichen. Aber nur, so Konrektor Thomas Sauer, weil die Grundschule Königstädten aus ihm unbekannten Gründen an diesen Tagen ihre Zeiten nicht in Anspruch genommen habe. Noch sei mit den Königstädter Kollegen nicht geklärt, ob die Regelung von Dauer sein könne. Entsprechend sei es noch unklar, wie es am fraglichen kommenden Montag ums Schwimmen aussieht, sagte Sauer am gestrigen Dienstag.
Bäderverwaltung arbeitetan Freibad-Konzept

Frank Krones, Schulsportleiter an der Immanuel-Kant-Schule, zieht Zuversicht aus einem Gespräch mit der Bäderverwaltung. Demnach arbeite die Stadt daran, den Schwimmunterricht nach Öffnung des Freibads in der ersten Maiwoche bestmöglich umzusetzen. Die Rücksichtnahme der Badegäste auf die Schulklassen gehöre da sicher genauso dazu, wie einzelne Bahnen frei zu halten.

An der Kant – laut Krones die einzige weiterführende Schule der Stadt, die den vom Curriculum geforderten Schwimmunterricht auch anbiete (Klassen 6 und 8, je ein Halbjahr) – wird Ende Mai eine Schülerin ihren Abiturprüfungsstress im Kelsterbacher Bad in möglichst schnelle Bahnen umsetzen. Dorthin wird die praktische Prüfung im Schwimmen für diese Schülerin mit Sport-Leistungskurs, Schützling von Frank Krones und Mitglied der DLRG-Ortsgruppe, verlegt.

„Schwimmen an Schulen muss sein“, sagt Krones. Es gebe immer mehr Spaßbäder, in denen Schwimmen nicht mehr richtig möglich sei und die Zahl ertrinkender Kinder sei nach wie vor zu hoch.