Finanzen – Magistrat beschließt Hinbau der Großsporthalle – Für Lachebad soll privater Inverstor gesucht werden

 

Die Freunde der Großsporthalle wird es freuen, die Freunde des Schwimmsports werden enttäuscht sein: Der Magistrat hat in seiner Sitzung am Dienstag beschlossen, dass die Großsporthalle erhalten bleibt und auf den Stand von 1970 hingebaut wird, das Hallenbad bleibt vorerst geschlossen, hier will die Stadt einen Investor suchen, der das marode Lachebad saniert und möglicherweise auch betreibt.

Gemäß Auftrag des Stadtparlamentes hatte die Verwaltung – insbesondere der Bereich Gebäudewirtschaft – in den vergangenen Wochen eine umfangreiche Prüfung von Varianten vorgenommen, die zu einer Reduzierung der Betriebskosten für das Freizeitbad an der Lache und der Großsporthalle von derzeit rund 2,59 Millionen Euro jährlich auf maximal 1,5 Millionen Euro führen würden. Die geprüften Varianten: Betriebssicherung Lachebad, Generalsanierung Lachebad, Neubau Sportbad (Hallenbad mit Wettkampfbecken und Lehrschwimmbad), Neubau Sportzentrum (kleinste Variante Sportbad in Verbindung mit Dreifeldsporthalle) sowie Neubau Sportzentrum (Regelbedarf Sportbad mit Wettkampfbecken und Lehrschwimmbecken sowie Dreifeldsporthalle und Trainingszentrum). Das Ergebnis: Die anvisierten jährlichen Betriebskosten von 1,5 Millionen könnten nur bei der kleinen Sportzentrums-Variante (Projektkosten 12,25 Millionen Euro) erreicht werden. Bei der Betriebssicherung (Projektkosten 14 Millionen Euro) würden beispielsweise Folgekosten von rund 3,126 Millionen Euro entstehen, bei der Generalsanierung (Projektkosten rund 26 Millionen Euro) Folgekosten von 3,235 Millionen Euro, bei dem Neubau eines Sportbades (Projektkosten 13,8 Millionen Euro) 2,32 Millionen Euro Betriebskosten und bei einem Regelbedarf-Sportzentrum (Projektkosten 19,9 Millionen Euro) 1,97 Millionen Euro Betriebskosten.
Regierungspräsident: Keine Neuverschuldung

Ernüchterung brachte dann jedoch das Gespräch, das die drei Dezernenten OB Patrick Burghardt (CDU), Bürgermeister Grieser (Grüne) und Baustadtrat Nils Kraft (SPD) in der vergangenen Woche im Regierungspräsidium in Darmstadt führten. „Der Regierungspräsident hat die Genehmigung des Haushaltes 2013 in Aussicht gestellt, aber auch sehr deutlich gesagt, dass er keine Nettoneuverschuldung genehmigen wird“, fasst OB Burghardt das Ergebnis zusammen. Kredite werde er nur in Höhe der ordentlichen Tilgung, das sind 5,2 Millionen Euro, sowie der Wiederholungsveranschlagungen aus dem Vorjahr in Höhe von 6,72 Millionen Euro genehmigen. „Das sind rund zwölf Millionen Euro für alle Investitionen von Kitas bis Schul- und Straßensanierung. 18 Millionen Euro waren für zwingend notwendige Maßnahmen angemeldet, 1, 3 Millionen Euro haben wir in diesem Jahr bereits investiert, wir müssen jetzt sehen, wie wir das mit dem zur Verfügung stehenden Geld alles hinbekommen“, erläuterte der OB. Selbst für eine erste Wiederinbetriebnahme des im März geschlossenen Hallenbades würden rund 6,8 Millionen Euro anfallen, der Hinbau der Großsporthalle auf den Stand von 1970 kostet rund 7,2 Millionen Euro. Da die Großsporthalle bereits im Haushalt 2013 eingestellt und somit genehmigt werde, sei klar, dass die Hinbau-Variante weiter verfolgt werde und weder eine Sanierung noch ein Neubau des Hallenbades möglich seien, das Bad bleibe geschlossen.

„Wir haben mit der Variantenprüfung den Ballon groß aufgeblasen, jetzt lassen wir die Luft wieder raus“, kommentierte Baustadtrat Nils Kraft. Die Stadt suche jetzt nach potenziellen Investoren, die das Hallenbad sanieren und den Betrieb übernehmen. Denkbar sei, dass die Stadt dann Zeiten für den Schulsport kaufe, und soweit möglich auch eine solche Regelung für die Vereine gefunden werde. Laut hessischem Schulgesetz sei dies möglich, die Stadt müsse für den Schwimmunterricht nicht zwingend eine eigene Einrichtung vorhalten, erläuterte Bürgermeister Dennis Grieser. Auch freie Kapazitäten in den Schwimmbädern der Nachbarkommunen würden derzeit abgefragt.

OB Burghardt stellte am Dienstag klar, dass auch der Hinbau der Großsporthalle die Stadt finanziell sehr belaste. „Ich bin aber dankbar für die im Magistrat mit breiter Mehrheit gefällte Entscheidung, weil damit für die Vereine eine lange Hängepartie zuende geht.“ Die Großsporthalle sei dann eine reine Sporthalle auf der Genehmigungsgrundlage von 1979, mit modernem Brandschutz, „aber so würden wir heute eine Halle nicht mehr errichten dürfen“, stellt Nils Kraft klar. „Nichts zu machen, wäre keine Option in der Stadtgesellschaft, denn schließlich treiben dort täglich 900 Personen Sport“, so die Haltung von Grieser. Dennoch müsse die Stadt „intensiv darüber nachdenken, wie die Vereine künftig an den Kosten für die Großsporthalle beteiligt werden“, erklärte Burghardt. Kraft hofft nun, dass die Stadt das Verfahren für den Großsporthallen-Hinbau, das wegen der Variantenprüfung gestoppt worden war, nahtlos fortsetzen kann. Die europaweite Ausschreibung war bereits erfolgt und Favoriten ausgedeutet. „Mit dem Baubeginn wird es aber 2013 nichts mehr“, so seine Einschätzung.

 

TG 1862 Rüsselsheim (Schwimmabteilung)