Wut über Schließung des Hallenbads -  Rund 50 Bürger machen in Anhörung ihrem Ärger Luft – Ruinen einer verfehlten Politik (URL: Echo online 21.06.2013)

 

hallenbad closed heinrich schreiberWenn im Rathaus Schwimmbegeisterte säßen, wäre es zu der Schließung des Hallenbads nicht gekommen. Solche und ähnliche Aussagen aus den Reihen der etwa 50 Besucher waren bei der Bürgeranhörung in einer gemeinsamen Sitzung des Bau- und Sportausschusses am Donnerstagabend im Hallenbad gang und gäbe. Dass es nicht gelungen ist, die Schließung durch die Instandsetzung der Lüftungsanlage und die Erfüllung der Brandschutzvorgaben zu verhindern, bewertete Kritiker unter den etwa 50 Besuchern als glattes Versagen der Politik.

Nach den Worten des Sportbund-Vize Peter Kreuzer sind die Schwimmsportvereine, die auswärts trainieren müssen, Kinder, für die es keine Schwimmausbildung gibt, die Teilnehmer an Reha- und Gesundheitsangeboten und natürlich auch die Freizeitschwimmer die Benachteiligten. Schon wird in den Vereinen geklagt, dass die kostspieligen auswärtigen Alternativen eine finanzielle Belastung bedeuten, die Mitgliederschwund zur Folge hat. „Die Besten sind schon weg,“ sagte die zweite Vorsitzende des RSC, Heike Gehlhoff.

Die meinen den Müller und hauen den Esel, bilanzierte ein Besucher am Ende der zweieinhalbstündigen Veranstaltung den heftigen Disput, der sich zeitweise am Rande eines Eklats bewegte. Denn die Schuld an der jahrzehntelangen baulichen Vernachlässigung öffentlicher Einrichtungen wie Hallenbad und Großsporthalle trage nicht der heutige hauptamtliche Magistrat. Die falschen Weichen mit der Folge einer riesigen Verschuldung seien in der Vergangenheit gestellt worden. Das sagte auch Baustadtrat Nils Kraft (SPD), der mit Bürgermeister Dennis Grieser (Grüne) und den Ausschussvorsitzenden Matthias Metz (CDU) und Christian Vogt (Grüne) auf dem Podium saß. Kraft: „Die Eichgrundschule hätten wir uns sparen müssen“, gab er ein Beispiel.

Peter Kreuzer traf mit seiner Forderung nach Planungssicherheit („es muss gehandelt werden“) nicht nur den Nerv der Besucher. Planungssicherheit wünschen sich auch die Ausschussvorsitzenden Vogt und Metz, die darauf hinwiesen, dass auch die Stadtverordneten gegenwärtig keine Ahnung hätten, wie es weitergehen solle. Wird saniert oder kommen gar die im Magistrat diskutierten Pläne zum Zug, Hallenbad und Köbelhalle abzureißen und durch einen bescheidenen Neubau mit Turnhalle und Hallenbad zu ersetzen?
Wiedereröffnung nicht absehbar

Nach der Sommerpause soll eine Vorlage des Magistrats auf dem Tisch liegen. Egal wie die Lösung aussieht: Eine Wiedereröffnung des Hallenbads kommt absehbar nicht in Frage. Nils Kraft begründete diese Aussage mit der engen finanziellen Fessel, die der Regierungspräsident dem Kämmerer angelegt hat. Mit dem Oberbürgermeister werde er demnächst nach Darmstadt fahren, um mit der Aufsichtsbehörde Handlungsspielräume auszuloten. Bevor nicht bekannt sei, was finanziell noch geht und was nicht, mache es keinen Sinn, konkrete Pläne zu präsentieren.

Wiederholt sprach Kraft von fünf oder sechs Millionen Euro, die der RP als jährliche Kreditsumme erlauben werde. Wenn allein die Sanierung des Hallenbads 3,5 bis vier Millionen verschlinge und bei der Schulsanierung ein Investitionsstau von 50 Millionen aufgelaufen sei, könne sich jeder ausrechnen, was noch machbar sei. Vorbei, so Kraft mit Wehmut, sind die Zeiten, in denen Opel hohe Gewerbesteuerbeträge in die Stadtkasse spülte. Er versprach, in Darmstadt Tacheles zu reden. „Wir werden den RP fragen, was eine Stadt braucht, um lebenswert zu sein.“

Nach einer Darstellung der bautechnisch kritischen Punkte Lüftungsanlage, Betonschäden und Brandschutz in dem 50 Jahre alten Hallenbad durch Klaudia Hornung und Walter Cezanne (Gebäudewirtschaft) sowie einem Rundgang durch das Gebäude wurde die Diskussion, noch um einige Nuancen heftiger, fortgesetzt. Auffallend: Je kritischer die Wortbeiträge gegen die Stadtpolitik ausfielen, umso intensiver war der Beifall. Christian Vogt versuchte, die aufgeheizte Stimmung zu beruhigen. „Schwimmen muss weiter in Rüsselsheim angeboten werden.“ Und er versprach: „Wir werden genau prüfen, wie es so weit kommen konnte.“

Bürgermeister Dennis Grieser warb um Verständnis für den Magistrat. Mehr als zehn Jahre sei an öffentlichen Gebäuden so gut wie nichts getan worden. Jetzt mit diesen Bauwerken umgehen zu müssen, sei eine große Herausforderung. „Wir versuchen unser Bestes“, rief Grieser. Und: Auch wenn die Stadt kein Geld habe, dürfe sie nicht zugrunde gerichtet werden.
Viel Geld für Gutachten, keins fürs Bad

Dass die Stadt so viel Geld für Gutachten „rausschmeißt“, dass die Sauberkeit des Hallenbads zuletzt viele Wünsche offen ließ, dass die Zuschüsse pro Theater- und pro Hallenbadbesucher nicht gegeneinander aufgerechnet werden, aber auch, dass junge Badegäste in der Runde am Donnerstag nicht vertreten waren, waren weitere Kritikpunkte. Eine Besucherin: „Wir sind uns alle einig: Das Hallenbad muss wieder geöffnet werden.“ Sie schlug vor, notfalls gemeinsam beim RP in Darmstadt zu demonstrieren. Einer Forderung von Karl-Heinz Schneckenbergers (Linke), die regelmäßigen Prüfberichte zur Lüftungsanlage vorzulegen, soll stattgegeben werden.

In seinem Schlusswort sprach Christian Vogt von der Wichtigkeit solcher Veranstaltungen. Er ermutigte die Besucher, sich einzumischen, und versprach eine weitere gemeinsame Sondersitzung nach der Sommerpause, wenn die Lösungsvorschläge des Magistrats auf dem Tisch liegen.

 

TG 1862 Rüsselsheim (Schwimmabteilung)