Lachebad – Nach der Schließung fürchtet der RSC sogar um seinen Bestand – Protest der Sportler vor dem Rathaus938689 m1msw440q90s1v32238 81-23055059 81-23055059 BILD1 (URL: Echo online 17.05.2013)

 

„Der Unterricht fällt aus. Es gibt keine Lösungen und auch keine Unterstützungen durch die Stadt, deshalb sind wir hier“, sagt Katja Morper, um die sich gestern weitere rund 50 Demonstranten scharten. Die Trainerin der RSC-Synchronmannschaft muss seit Schließung des Lachebades auf Tour in die Umgebung gehen, um Trainingsplätze für ihre Truppe zu finden. Zu welch bizarren Situationen der Mangel führt, erzählt ihre Mitstreiterin Nicole Bleser-Hermann. An Samstagen seien ihre Mädchen in Hochheim auf dem Rasen an der Durchgangsstraße anzusehen. Dort stehen dann die Synchronsportlerinnen in Nähe der Fahrbahn auf einer Wiese und absolvieren ihre Trockenübungen. Das Bad haben die Rüsselsheimer nur für eine Stunde mieten können, und diese will konzentriert genutzt werden. Übungen, für die man kein Wasser benötigt, müssen dann halt draußen erledigt werden, sagt sie.

Heike Gehlhoff, stellvertretende Vorsitzende des RSC und sportliche Leiterin sieht gar den Bestand des Vereins gefährdet, wenn er nicht bald ausreichende Trainingsmöglichkeiten erhält. Der RSC ist immerhin mit 500 Mitgliedern einer der größten Schwimmvereine in Südhessen. Doch schon im Zuge der Schließung des Bades in der Gerhart-Haupmann-Schule hat der Verein etwa 100 Mitglieder verloren. Momentan trainieren im RSC noch 70 Wettkampf- und rund 150 Nachwuchsschwimmer. Sie sind auf das Training im Freibad bei Außentemperaturen von etwa 14 Grad angewiesen. So kalt war es jedenfalls in den vergangenen Trainingsstunden. Als Alternative bleibt die Verlegung der Stunden in die Schwimmbäder anderer Kommunen. Doch dieses Training drückt neben vielen anderen Belastungen auch auf die Kasse des Vereins. Wie Gehlhoff sagt, kostet die Belegung eines benachbarten Bades pro Stunde und Bahn zwischen 15 und 35 Euro. Hinzu kommen Fahrtzeit und -kosten. Außerdem werden den auswärtigen Vereinen oft nur die ungünstigeren Tages- und Wochenzeiten angeboten. „Wir können zurzeit in Rüsselsheim nur das Bad in der Keller-Schule nutzen. Doch dies ist halt ein Therapiebad, in dem das Wasser mitunter bis zu 34 Grad warm ist. Nicht gerade ideale Trainingstemperaturen. Außerdem kommt es oft vor, dass es verschmutzt ist und dann kurzfristig geschlossen werden muss,“ sagt sie.

Am Mittwoch hatten Vertreter der Schwimmsportvereine und -verbände sowie von Schulen, die das Lachebad nutzen auf Einladung von Baudezernent Nils Kraft (SPD) das Bad besichtigt. In einer Mitteilung zum Ergebnis des Besuches kritisierte die Verwaltung zunächst, dass der Einladung nur 18 von 39 Vereinen und Schulen gefolgt seien, um sich über den Zustand des Bades zu informieren. Auch die Presse war bei diesem Termin nicht anwesend. Sie wurde nicht eingeladen. Für den RSC besichtigte der Trainer der 1. Wettkampfmannschaft, Helmut Hammen, das Lachebad. Er sprach während der gestrigen Demonstration von einem äußerst maroden Zustand des Gebäudes, für das der Abriss wohl die günstigere Lösung sei. Zu den notwendigen Arbeiten wie an der Belüftungsanlage kämen noch inzwischen verordnete Auflagen für den Brandschutz. „Ein neues Bad wäre wohl billiger. Aber das würde fünf bis sechs Jahre dauern, und bis dahin gibt es in Rüsselsheim bestimmt keinen Schwimmverein mehr“, meinte er.

 

TG 1862 Rüsselsheim (Schwimmabteilung)