Lachebad wegen defekter Kälteanlage geschlossen (Echo vom 12.3.2013)

Lachebad – Hallenbad bleibt vorerst geschlossen – Stadt sucht nach Lösungen für betroffene Vereine und Schulen

„Es hat uns kalt erwischt, das ist jetzt leider schneller gekommen, als wir es erwartet haben“, bedauerte Baudezernent Nils Kraft am Dienstag die kurzfristige Schließung des Lachebades. Bei einer turnusgemäßen Wartung sei am vergangenen Donnerstag der Ausfall der Kälteanlage im Spaßbad-Bereich entdeckt worden, die beiden Kühlanlagen in der großen Schwimmhalle würden Kühlmittel verlieren und somit nur eingeschränkt funktionieren. Die Kälteanlagen entziehen der Luft im Schwimmbad die hohe Feuchtigkeit, niedergeschlagenes Kondenswasser kann sonst unter anderem in den Belüftungsrohren zu Schimmel- und Keimbildung führen.
Er habe eine zweite Meinung einholen wollen und daher am Freitag einen Ingenieur damit beauftragt, am Montag die Anlagen im Lachebad zu inspizieren, dieser habe das Ergebnis der Wartungsfirma bestätigt, erläuterte Kraft am Dienstag den Verlauf. Daraufhin sei die sofortige Schließung des Hallenbades angeordnet worden. „Wir können die Mitarbeiter und Badegäste nicht dieser Hygienegefährdung aussetzen, es bestand dringender Handlungsbedarf“, so Kraft.
Der Fachbereich Sport- und Schulverwaltung habe noch am Montag versucht, die betroffenen Vereine und Schulen zu informieren, über eine Telefonkette seien auch die Frühschwimmer – soweit möglich – in Kenntnis gesetzt worden.
Baudezernent und Oberbürgermeister betonten am Dienstag ausdrücklich, dass die Schließung nicht im Zusammenhang mit dem Konsolidierungsvorschlag des Magistrats stehe, wonach geprüft werden soll, ob der Abriss von Lachebad und Walter-Köbel-Halle – beide stark sanierungsbedürftig – und der Neubau einer kleineren Anlage für Sport und Schwimmen eine Alternative zur Sanierung sind, durch die die Betriebskosten deutlich reduziert werden könnten.
In den Ausschüssen hatte sich eine Mehrheit für diesen Antrag ausgesprochen, die Entscheidung fällt am morgigen Donnerstag (14.) im Stadtparlament im Rahmen der Haushaltsverabschiedung.
„Sollte der Antrag eine Mehrheit finden, erhält die Prüfung durch den aktuellen Anlass jedoch eine höhere Priorität“, erklärte Kraft. Nun müsse zunächst umgehend geprüft werden, ob es bereits zu Schimmelbildung gekommen sei, an einer Stelle seien schon Korrosionsschäden gefunden werden. Die Überprüfung des kompletten, mehrere hundert Meter langen Lüftungssystems sei sehr aufwendig, da die Lüftungskanäle teilweise mit anderen Anlagenkomponenten verbaut seien. Überprüft werden müsse auch, ob sich die Dämmschicht der Deckenkonstruktion eventuell mit Feuchtigkeit angereichert habe und somit durch das höhere Gewicht eine weitere Gefährdung bestehe.
Einen erheblichen Investitionsstau in der Bauunterhaltung hatte der Baudezernent schon vor einigen Wochen für das 1964 erbaute Lachebad attestiert und damit den Antrag des Magistrats auf Abriss-Prüfung begründet (wir haben berichtet). Schwachstellen sind aus seiner Sicht auch die veraltete Heizungs- und die Filteranlage. „Da gibt es irgendwann Handlungsbedarf“, so Kraft am Dienstag. Nun gerät die Stadt unter Zeitdruck. „Ich hätte mir gewünscht – wohl wie meine Vorgänger –, dass es noch ein paar Jahre gut geht“, verriet der Baudezernent.
Alle Investitionen müssen aufgrund des hochdefizitären Haushaltes der Stadt Rüsselsheim vom Regierungspräsidenten genehmigt werden. Oberbürgermeister Burghardt sieht die Stadt nun in einer misslichen Situation, „in die wir nicht kommen wollten, nämlich dass wir jetzt von außen die Entscheidung aufdiktiert bekommen.“ Er ergänzt: „Wären wir schon im Jahr 2020 und die schwarze Null in Sicht, wäre mir wohler.“ Burghardt und Kraft zeigten sich am Dienstag jedoch zuversichtlich, dass die im Abbaupfad für den Rettungsschirm aufgezeigten Einsparungen an anderen Stellen die Entscheidung des Regierungspräsidenten positiv beeinflussen würden.
Für Baudezernent Kraft ist auch klar, dass sich eine Entscheidung wie seinerzeit beim Opel-Bad – 1,2 Millionen Mark in die Sanierung gesteckt und ein Jahr später stillgelegt – auf keinen Fall wiederholen dürfe.
Vorrangig werde jetzt aber nach Lösungen für die betroffenen Vereine und Schulen gesucht. Das Lachebad wird derzeit an 40 Wochenstunden von zehn Vereinen für zwölf Sportarten genutzt, zudem wöchentlich an 33 Schulstunden von 15 Schulen. Hinzu kommen diverse Kurse und Dauernutzer. Burghardt will in den nächsten Tagen bei seinen Amtskollegen in den Nachbarkommunen Groß-Gerau, Kelsterbach und Raunheim, die über Schwimmbäder verfügen, anklopfen. Der Freibadbetrieb sei ohnehin nicht gefährdet, die Eröffnung werde wie vorgesehen am 2. Mai erfolgen. Burghardt. „Wir werden alles tun, um Lösungen zu finden.“

 

TG 1862 Rüsselsheim (Schwimmabteilung)